Von Heraklit bis zur Gegenwart

was wäre schwerer zu erkennen, als zu erkennen, was wir erkennen.

Wenn ich über Philosophie höre oder lese, kann ich mich anschliessend nur über mein mir angeeignetes Wissen äussern! - eine Interpretation aus meiner Sicht oder Wie-derspruch einer anderen Sicht - eine Empirie, die auf mei-ner eigen gesichteten und erfahrenen Wahrheit gründet. Kant wie Husserl denken, dass wir die Welt nur in dem Masse erkennen können, "wie es unser Bewusstsein von seinen Anlagen her zulässt".

Heraklit sagte dazu: "Was man sehen, hören, erfahren kann, dem gebe ich den Vorzug." Er meinte aber auch: "die Natur liebt es sich zu verbergen". In sich verbirgt sich aber immer auch ein Wiederspruch. So besagt die z. B. Hegelschianische Dialektik: "Unsere Gedankenbewegung findet sich immer herausgefordert durch den Wieder-spruch". Für mich aber eine Wahrheit, die ich als Wahrheit bezeichne oder ich zumindest dafür halte, somit in sich ein Wiederspruch, aber nicht für mich. Es ist eine Sicht, die ich über einen transpersonalen Durchbruch abgleiche. So wie Heraklit oder später Montaigne: "Que sais-je?" (was weiss ich), erforsche auch ich mich selbst.

Unter transpersonaler (" Transzendenz", Kant) Durchbruch verstehe ich: >seinem eigenen Wesen gewahr werden - so viele Menschen so viele Ansichten<. Jeder Mensch kann nur für sich selbst bestimmen, was für ihn die Wahrheit oder Wirklichkeit ist. "Nimmer noch gab es den Mann und nimmer wird es ihn geben, der die Wahrheit erkannt von den Göttern und allem auf Erden. Denn auch wenn er einmal das Rechte vollkommen getroffen, wüsste er selbst es doch nicht. Den nur Wähnen (hypothetisches Wissen) ist uns beschieden" Xenophanes, Eleate. So verwende auch ich den Terminus Philosophie, wie ich ihn mit mei-nem (begrenzten) Verstand nachvollziehen kann. "Die Gehirntätigkeit setzt dem menschlichen Denken unüber-schreitbahre Grenzen; es kann nicht mehr leisten, als durch das Erregungsgeschehen in den Hirnzellen möglich ist" Rohracher, 1953, 8.

Alles was ich schreibe gleiche ich ab über mein Wesen. Das heisst, jeder Mensch, der den gleichen Satz liest wie ich, verstehe den Satz nicht wie er an sich ist, sondern nur wie er ihn für sich interpretiert. Jeder Philosoph (von der Geburt der Philosophie an), hatte unterschiedliche Auffas-sungen und sah die Wahrheit von einer anderen Seite, aus seiner Sicht aus gesehen. Jeder sprach von seiner Wahrheit - denn nur darum geht es den Philosophen bis zum heutigen Tage an. So sprachen sie von Luft (Anaxi-menes), Wasser (Thales), und Feuer (Heraklit) usw. Aus diesem Grund (aus meiner Sicht) können wir eigentlich nur in der Mathematik einen gemeinsamen Nenner finden, nicht aber in der Empirie. Es ist aber nicht das Anliegen dieser Schrift sich über Mathematik auseinander zusetzen; nur so viel sei dazu gesagt: Ich formuliere den Satz: >Wir können uns fast alle einig sein, dass der Apfel eher rund-lich ist als quadratisch. Wir können uns aber nie einig sein, ist der Apfel süss oder sauer - wir könnten uns streiten bis ans Ende unserer Tage<. Wir sind nach Sartre zur Freiheit verdammt so zu sein, wie wir konditioniert sind.

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Nihil est in intellectu...

Nichts ist im Verstande, was nicht zuvor im Sinneswahr-nehmen gewesen wäre! (John Locke 1632-1704),. Mit den Augen des Buddhismus von Shosan Kogetsu

Ich vermute, eine der grössten Schwierigkeiten, die sich stellen, wenn man sich daran macht, ein beliebiges Problem vom Standpunkt der Philosophie aus zu betrachten und durch zudenken. Dazu reicht ein Titel mit ein paar Worten bei weitem nicht aus, denn die Philosophie neigt meiner (zugegebenermassen ziemlich bescheidenen) Erfahrung nach dazu, sich nach allen Seiten hin auszudehnen und auch jedem noch so engmaschig gewobenen "Wortgeflecht" (erst recht also jedem noch so geschickt gesetzten Titel) zu entkommen und immer wieder neue Themenfelder zu berühren. Des weitern scheint es mir, als ob die Philosophie im Unterschied zu den anderen Wissenschaften sehr oft keine klar festgelegte Betrachtungsweise der Dinge habe. Nimmt man zum Beispiel den einfachen Satz: "Zwei sind mehr als Eins", so kann jeder Mathematiker wie auch jeder Physiker sofort eine konkrete Aussage darin erkennen, und die beiden (Mathematiker und Physiker) könnten sich darüber unterhalten und sicher sein, dass sie beide über dasselbe sprechen - für den Philosophen aber wäre solch ein einfacher Satz bestimmt ein Anstoss zu weiterführenden Überlegungen oder gar Einwänden, und keine zwei Philosophen würden den Satz wohl auf dieselbe Weise interpretieren. Schliesslich besteht neben dem Problem des "Was?" - eine Frage, die sich die Philosophen von jeher gestellt - bis zum heutigen Tag - noch das des "Wie?". Man kann ein Thema zum Beispiel rein gefühlsmässig angehen, oder versuchen, es vor allem unter Bezugsnahme auf bereits existierende Überlegungen zu betrachten, man kann darüber mehr oder weniger abstrakt nachdenken und so weiter und so fort.

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WO WAR DIE WEISHEIT BEVOR DU SATORI ERFAHREN HAST?

Zehn Erkenntnisstufen
von Shosan

Vorwort Zugegeben, ohne die Frage des Leidens zu beantworten, kann man nicht von Erleuchtung sprechen. Das Leiden, von dem Buddha sprach, ist eng verbunden mit dem Erwachen. Es sind die Leiden der Heilslehre von den vier Edlen Wahrheiten.

Als da sind: 1. Die Wahrheit vom Leiden. 2. Die Wahrheit von der Entstehung des Leidens. 3. Die Wahrheit von der Aufhebung des Leidens. 4. Die Wahrheit vom Weg, der zur Aufhebung des Leidens führt. Die erste Wahrheit besagt, dass alles Dasein leidvoll und unbefriedigend ist, Geburt, Krankheit, und Tod. Die zweite Wahrheit gibt als Ursache des Leidens das Begehren. Die dritte Wahrheit besagt, dass durch die restlose Aufhebung des Begehrens dem Leiden ein Ende gesetzt werden kann. Die vierte Wahrheit gibt als Mittel zur Beendigung des Leidens den achtfachen Pfad an.

Als da sind: 1. Vollkommene Erkenntnisse der vier Edlen Wahrheiten. 2. Vollkommener Entschluss: Entschluss zur Entsagung und Nichtschädigung von Lebewesen. 3. Vollkommene Rede: Vermeiden von Lüge, übler Nachrede und Geschwätz. 4. Vollkommenes Handeln: Vermeiden von Handlungen, die gegen die Sittlichkeit verstossen. 5. Vollkommener Lebenserwerb: Vermeiden eines schädigenden Berufes. 6. Vollkommene Anstrengung: Fördern von karmischen Heil-Samen und vermeiden von karmischen Unheilsamen. 7. Vollkommene Achtsamkeit: Beständige Achtsamkeit auf Körper, Gefühle, Denken und deren Objekte. 8. Vollkommene Sammlung: Des Geistes, die in vier Versenkungen ihren Höhepunkt finden - in der Meditation.

Meditation Skrt. Dhyana, Versenkung ist die Technik, um Samadhi zu erlangen. Entwicklung zum Hishiryo-Bewusstsein "Denken im Nicht-Denken"; das Denken wird zum schweigen gebracht. Entwicklung zum Mushotoku-Bewusstsein, das Wissen der "Arbeit ohne Verdienst"; keine Erwartung. Das Bewusstsein wird von allen falsch verstandenen Entitäten befreit; konditionale Substanz wird uns bewusst. Empirische Erkenntnis über Shinshin tatsu raku, "Körper und Geist" sind abgefallen. Ohne Meditation, bzw. Kontemplation, sind diese höheren Bewusstseinszustände nicht erreichbar.

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FORTUITUS FULGURATUS

Der Zufall und die blitzartige Erkenntnis im Lichte des Zen

Ich wusste über etwas, dass ich eigentlich nicht wusste! Jeder kennt das, dass in seinem Leben irgendwelche Erfahrungen, die von verblüffendem, beeindruckendem (C.G Jung spricht von einer Numi-nose), die in einem bestimmten Augenblick, in dem man emotional mitgeht, mitbeteiligt ist, sich etwas als ein vollkommenes Vorkommnis sich ereignet. Dieses Vorkommnis wird begleitet mit einer Erfahrung, die unmittelbar realisiert wird, ein Ereignis das im Zusammenhang steht mit einer inneren Erfahrung, einer Art zufälliger Koinzidenz einer Synchronizität.

Diese empirische Erfahrung muss man aber als etwas ganz natürliches betrachten und nicht mit einem Ausruf: Mein Gott ...!!! Jemand der ein solches Synchronizitätserlebnis erfährt, ist sich bewusst, dass er das nicht gemacht hat, es drängt sich uns aus dem Ereignis auf, es ist einleuchtend und es ist völlig klar, dass es nicht eine Konstruktion von Aussen ist, es ist auch nicht eine Interpretation die das Bewusstseinshafte selber erzeugt.

Das besondere, gerade dieses Erlebnisses ist: es spricht mich an, als etwas sinnvolles, es sind Momente besonderer Inspiration und Kreativität, Momente einer mystischen Einheit mit der Welt. In solchen Momenten häufen sich die synchronistischen Ereignisse, den jetzt ist der Schleier zwischen mir und der Welt zerrissen, ich beobachte und erfahre die Welt ganz unmittelbar und die Welt scheint darauf zu antworten, als ob sie es bemerke. Es wird dann so: als ob man uns etwas wertvolles anvertraut, ohne Misstrauen zu haben, eine Symbiose mit unserem Gegenüber. Wir sind eine Art Bedeutung oder Ereignis, Generator, wir bewegen uns auf einem Kontinuum der rationalen, bis Ultra, radikalen und auf einer esoterischen Ausrichtung.

Die einen sagen: Es ist ein empirisches Ereignis, die anderen sagen: Das Ereignis hat für mich eine enorme Bedeutung. Ereignisse dieser Qualität, eine akausale Synchronizität, versteht man als eine Interaktion zwischen Geist und Materie. Wir sind in der Lage, mit einer Art binärer Ereignisse eine Art Synchronizität auszulösen. Daher könnte man im eigentlichen Sinn, die zahllosen Zufallsprozesse beeinflussen, die die Abläufe in einer ausser- und innerweltlichen Ordnung bestimmen. Bis jetzt gibt es aber kein Konzept dafür: denn, was nicht ist, das darf nicht sein. Was hinter diesem Zufall steckt, den ich zu Untersuchen mir zur Aufgabe gemacht habe, könnte aus dieser Schrift ersichtlich werden. Im Zen ist es ein Tabu davon zu sprechen, es wurde von Meistern (mit guten Gründen) mit einem mystizistischen Fluidum belegt - man spricht nicht davon.

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